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Diversitätssensible Gesundheitsversorgung nach Gewalt: Hochschule Fulda startet Forschungsprojekt

17. Juni 2026 durch
Diversitätssensible Gesundheitsversorgung nach Gewalt: Hochschule Fulda startet Forschungsprojekt


Diversitätssensible Gesundheitsversorgung nach Gewalt: Hochschule Fulda startet Forschungsprojekt

Die gesundheitliche Versorgung von Menschen nach häuslicher und sexualisierter Gewalt soll stärker an den tatsächlichen Bedarfen der Betroffenen ausgerichtet werden. Mit diesem Ziel untersucht ein Forschungsteam der Hochschule Fulda im Projekt „WesBe“, wie sich Zugänge zur Versorgung verbessern und bestehende Lücken aus Sicht der Betroffenen schließen lassen. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere Menschen, deren Lebenslagen von mehrfachen Belastungen geprägt sind und die deshalb als besonders vulnerabel gelten.

Der Gesundheitsbereich ist häufig eine der ersten Anlaufstellen nach Gewalterfahrungen. Hier können gesundheitliche Folgen früh erkannt, Verletzungen angemessen behandelt und Zugänge zu weiterführender Unterstützung eröffnet werden. Nach Einschätzung des Fuldaer Forschungsteams ist die Versorgung in Deutschland jedoch vielerorts noch nicht ausreichend auf die unterschiedlichen Bedarfe der Betroffenen abgestimmt. Gerade besonders vulnerable Gruppen würden im Hilfesystem häufig nicht ausreichend erreicht, obwohl sie nachweislich häufiger von Gewalt betroffen seien.

Das Projekt „WesBe – Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung nach häuslicher und sexualisierter Gewalt unter Einbeziehung der Betroffenenperspektive“ setzt deshalb auf einen intersektionalen Ansatz. Ziel ist es, die Versorgung aus Sicht der Betroffenen zu analysieren, Versorgungslücken sichtbar zu machen und Ansätze für eine diversitätssensible und bedarfsgerechte Weiterentwicklung zu erarbeiten.

Im Fokus stehen insbesondere Frauen mit Migrationsgeschichte, körperlicher Behinderung, niedrigem sozioökonomischem Status oder höherem Lebensalter. Auch Erfahrungen von Männern werden einbezogen. Das Forschungsteam weist darauf hin, dass sich durch das Zusammenwirken mehrerer benachteiligender Faktoren besonders vulnerable Lebenslagen ergeben können. So seien etwa Frauen mit Behinderung zwei- bis dreimal häufiger von sexualisierter Gewalt betroffen als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt.

„Wir wissen aus bisherigen Projekten in Hessen, dass Versorgungsangebote häufig nicht bekannt sind oder als unpassend empfunden werden; dass Betroffene in der medizinischen Versorgung oftmals ein Gefühl der Fremdbestimmung erleben, ähnlich den Kontroll- und Machtmustern in ihrer Gewaltbeziehung; und dass es insbesondere im ländlichen Raum nur wenige auf Gewalt spezialisierte Gesundheitsversorgungsangebote gibt“, sagt Professorin Dr. Daphne Hahn, eine der beiden Projektleiterinnen.

Hinzu kommen nach Angaben des Forschungsteams strukturelle Defizite: Betroffene müssten die Nachsorge häufig selbst organisieren, weil Kooperationen zwischen Kliniken und niedergelassenem Bereich fehlten. Auch Kontakte im Rahmen von Routineuntersuchungen blieben oft ungenutzt, weil Gewalterfahrungen nicht angesprochen würden.

Die Arbeit im Projekt erfolgt in drei aufeinander aufbauenden Schritten. Zunächst werden bestehende institutionalisierte Versorgungsangebote nach häuslicher und sexualisierter Gewalt erfasst und analysiert. Daran anschließend führt das Team Interviews mit Betroffenen und wertet diese intersektional aus. Einbezogen werden insbesondere Menschen mit körperlichen Behinderungen, niedrigem sozioökonomischem Status, höherem Alter oder Migrationsgeschichte. Im dritten Schritt sollen gemeinsam mit Betroffenen und Fachleuten konsensbasierte Handlungsempfehlungen für eine diversitäts- und bedürfnisorientierte Gesundheitsversorgung entwickelt werden.

„Wenn gesundheitliche Folgen von Gewalt früh erkannt und Betroffene gezielt unterstützt werden, können Chronifizierungen, psychische Belastungen und wiederholte Inanspruchnahmen von Gesundheitsleistungen reduziert werden. Eine gute Versorgung – insbesondere auch von vulnerablen Gruppen – hilft damit nicht nur den Betroffenen, sondern entlastet langfristig auch die sozialen Sicherungssysteme“, betont Professorin Dr. Daphne Hahn.
Das Forschungsprojekt wird aus Mitteln des Innovationsfonds zur Förderung von Versorgungsforschung mit 489.000 Euro unterstützt und läuft bis Januar 2029.

Zur Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news872615

Foto: stock.adobe.com - AungMyo


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