Interview: Einsätze in internationalen Katastrophengebieten
Das Interview mit der Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin Jennifer Ruoff beschreibt, wie sich internationale Katastropheneinsätze grundlegend von der Arbeit im deutschen Krankenhaus unterscheiden. Ruoff berichtet, dass sie über die Schwesternschaft München und das Rote Kreuz in einen internationalen Personalpool kam und sich in mehreren englischsprachigen Trainings für Auslandseinsätze qualifizierte. Besonders wichtig seien das ERU-Training zum Aufbau mobiler Kliniken und ein strategisch ausgerichtetes IMPACT-Training gewesen. In Katastrophengebieten gelte es, mit knappen Ressourcen möglichst vielen Menschen zu helfen, weshalb Triage und pragmatisches Handeln zentral seien. Anhand des Rohingya-Flüchtlingslagers in Bangladesch und eines Einsatzes an der ukrainischen Grenze schildert sie typische Versorgungsprobleme wie Infektionen, chronische Erkrankungen, fehlende Medikamente und den Bedarf an Grundversorgung. Pflegefachpersonen übernehmen dort nicht nur direkte Pflege, sondern auch Analyse von Versorgungsstrukturen, Koordination, Triage, Anleitung lokaler Teams und interprofessionelle Zusammenarbeit. Belastende Erlebnisse erforderten Selbstfürsorge, wirkten aber auch als Realitätscheck und stärkten Dankbarkeit für sichere Lebensbedingungen. Für Deutschland sieht Ruoff die Notwendigkeit, Pflege stärker in den Bevölkerungsschutz einzubinden und gezielt für Krisenlagen zu schulen.
